HOME  ·  KONTAKT  ·  IMPRESSUM

   
    Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern e.V.    
Geschichte

 
Die auf Friedrich Ludwig Jahn (1778 bis 1852) zurückgehende deutsche Turnbewegung breitete sich ab 1810 in den deutschen Einzelstaaten aus.
 
Nachdem Jahn am 14.11.1810 in der Hasenheide bei Berlin den Deutschen Bund zur Befreiung und Einigung Deutschlands gegründet hatte, vollführte er mit seinen Anhängern am 19.06.1811 in der Hasenheide die ersten öffentlichen Turnübungen. Das von Jahn entwickelte Übungssystem beinhaltete nicht nur das Turnen, vielmehr erfasste er unter dem Begriff des Turnens auch das Laufen, Springen, Werfen, Klettern, Schwimmen, Ringen, Spielen und Wandern. In der körperlichen Ertüchtigung sah Jahn ein wesentliches Mittel zur Verwirklichung der politischen Ziele der deutschen Nationalbewegung: 1. Befreiung von der französisch-napoleonischen Herrschaft, 2. Gründung eines Nationalstaates unter preußischer Führung und 3. Teilnahme der Staatsbürger am Wohl und Wehe des Staates. Nach den Befreiungskriegen, die 1813 mit der Völkerschlacht bei Leipzig die französisch-napoleonische Besatzung in Deutschland beendeten, wandten sich die deutschen Einzelstaaten nicht nur gegen die Gedanken der Nationalbewegung. Vielmehr empfanden sie auch die stetig wachsende Turnbewegung wegen ihres wehrpolitischen Hintergrundes als eine Bedrohung für die politischen Machtverhältnisse. Die am 20.09.1819 durch den deutschen Bundestag bestätigten Karlsbader Beschlüsse sahen eine Schließung der Turnplätze und eine Turnsperre vor, die in den deutschen Einzelstaaten in Kraft gesetzt wurde. Nachdem Jahn bereits am 13.07.1819 wegen des Verdachts hochverräterischer Tendenzen verhaftet worden war, verblieb er auf Grund der Auswirkungen der Karlsbader Beschlüsse zunächst bis zu seinem Freispruch am 15.03.1825 in Haft. Zwar wurden die Bestimmungen zur Turnsperre, auch in Folge der Empfehlungen von Lehrern und Ärzten, über die Jahre in vielen deutschen Einzelstaaten gelockert, indem unter anderem ab 1837 das Turnen in den Gymnasien gestattet wurde. Doch hob König Friedrich Wilhelm IV die Turnsperre in Preußen erst 1842 wieder vollständig auf, um zugleich das Turnen als Schulfach einzuführen.
 
Mit der staatlichen Anerkennung des Turnens drang die deutsche Turnbewegung ab 1850 auch in das Sauerland vor.
 
Während sich zunächst nur kleine Gruppen von Turnern zusammenfanden, lehnte der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung den Gedanken an Turnübungen ab. Gleichwohl begannen sich auch die Turner des Sauerlandes ab 1870 in Turnvereinen, die jeweils der staatlichen polizeilichen Erlaubnis bedurften, zusammenzuschließen. Sie schlossen damit an eine Entwicklung an, die sich in anderen deutschen Regionen bereits vollzogen hatte: Hamburger Ruderclub (1836), Schlittschuhverein Frankfurt (1861), Bicycleclub Altona (1869) und Schwimmverein Neptun Berlin (1878). Mit der Gründung der Turnvereine stieg nicht nur die Zahl der Turner im Sauerland innerhalb weniger Jahre rasant an, vielmehr erforderte die Vielzahl von Turnvereinen auch eine organisatorische Verflechtung, die einen Vergleich der Turnvereine in sportlichen Wettkämpfen zuließ. Die erforderliche Dachorganisation wurde 1893 mit der Errichtung des Sauerländer Turngaus geschaffen, der bis in die heutige Zeit die Gauturnfeste und –tage veranstaltet.
 
Auch in Sundern stellten einige Turner am 03.11.1886 einen Antrag auf Erteilung einer polizeilichen Erlaubnis zur Abhaltung einer Versammlung zur Gründung eines Turnvereins. Die Erlaubnis wurde ihnen am 04.11.1886 mit dem nachstehenden Schreiben erteilt:
 
N 2506                                                                                     Allendorf, den 4. Nov. 1886
 
An den prov. Vorstand des Turnvereins
Bernard Becker b/ Fabrik Blome zu Sundern
 
Auf den gestrigen Antrag wird zur Abhaltung einer Versammlung zur Gründung des Turnvereins am 6. d. M. die poliz. Erlaubnis erteilt. Scheffer´sches Lokal.
 
Der Amtmann
Gödde
 


Der polizeilichen Erlaubnis entsprechend hielten die Turner am 06.11.1886 eine Versammlung ab, in der sie den Turnverein Sauerlandia gründeten. Die Gründung des Turnvereins hielten sie in der nachstehenden Niederschrift fest:
 
In der am heutigen Tag gehabten Generalversammlung fanden folgende Punkte der Tagung ihre Erledigung:
 
I. Vorstandswahl. Es wurden zum Vorstande folgende Mitglieder gewählt:
Vorsitzender Fritz Cramer, Stellv. Bernard Hansknecht
Turnwarth Theodor Surholt, Stellv. Bernard Becker
Kassenwarth Wilhelm Blome, Stellv. Fritz Mennigmann
Schriftwarth Anton Horn, Stellv. Heinrich Blome
Gerätewarth Josef Hense, Stellv. Carl Scheffer
 
II. Es wurde der Herr Amtmann Gödde von Allendorf von dem Turnverein (Sauerlandia) einstimmig zum Ehrenmitglied gewählt.
 
Sundern, den 6. Nov. 1886
Im Auftrage: Surholt
 


Von Anfang an erfreute sich der Turnverein Sauerlandia eines wachsenden Interesses innerhalb der Bevölkerung, sodass die Anzahl seiner Mitglieder stetig anstieg. Während er 1887 über 44 Mitglieder verfügte, hatte er 1900 bereits 100 Mitglieder. Bis 1914 war der Turnverein Sauerlandia auf 180 Mitglieder angewachsen. Nach den schwierigen Zeiten des 1. Weltkriegs und des 2. Weltkriegs vermehrte die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern die Anzahl ihrer Mitglieder beständig. Während sie 1974 das 1.000 Mitglied aufnahm, umfasste sie 2011 bereits 1.740 Mitglieder.
 
Schon 1889 schaffte der Turnverein Sauerlandia eine Fahne an, die 1911 eingeweiht wurde. Diese Fahne führt die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern zu besonderen Anlässen bis in die heutige Zeit als Traditionsfahne.
 
Seine Übungsstunden hielt der Turnverein Sauerlandia ab 1886 zunächst im Saal der Gaststätte Neuhaus-Pingel ab, bevor er sie 1919 in den Gesellschaftsraum der Gaststätte Bode verlegte. Die Teilnahme an den Übungsstunden war für die Mitglieder des Turnvereins Sauerlandia nicht nur zwingend, vielmehr war sie auch mit einer Strafandrohung verknüpft, die sogar tatsächlich angewandt wurde. Die Generalversammlung des Turnvereins Sauerlandia beschloss am 20.11.1887: „Wer von den aktiven Mitgliedern zu den festgesetzten Turnstunden nicht erscheint, wird mit einer Conventionalstrafe von 20 Pfennig, im dritten Wiederholungsfall mit Ausschluss aus dem Verein bestraft“. Für die wachsende Anzahl von Mitgliedern reichte der Saal der Gaststätte Bode nach 1922 nicht mehr aus, sodass der Turnverein Sauerlandia seinen Übungsbetrieb in die Schützenhalle verlegte.
 
Bereits ab 1921 hatte der Turnverein Sauerlandia den Bau einer eigenen Turnhalle geplant, doch hatte sich der Wunsch vor dem Hintergrund der 1922/23 in Folge des 1. Weltkrieges eingetretenen Hyperinflation nicht umsetzen lassen. Auch die ab 1935 vorangetriebenen Planungen einer eigenen Turnhalle konnte der Turnverein Sauerlandia vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges nicht verwirklichen.
 
Neben dem Turnen wandte sich der Turnverein Sauerlandia weiteren gesellschaftlichen Betätigungsfeldern zu, die nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der körperlichen Ertüchtigung stehen. Der Turnverein Sauerlandia gründete 1889 oder 1894 ein Trommlerkorps und 1912 ein Blasorchester, die 1920 zur Entstehung des Musikvereins Sundern führten. Auch richtete er 1902 eine Turnerfeuerwehr ein, aus der die heutige Freiwillige Feuerwehr Sundern hervorging.
 
Zwar ging der Turnverein Sauerlandia nach dem 1. Weltkrieg neben dem Turnen auch weiteren Sportarten nach. So entstand 1920 nicht nur eine Rasenspielabteilung, die Fußball, Faustball und Schlagball anbot, sondern 1935 auch eine Schwimmabteilung, die das an der Linnepe entstandene Freibad nutzte; die Schwimmabteilung bestand bis 1940. Doch hatte sich 1926 in Sundern auch der Sportverein Wacker 20, der im Wesentlichen dem Fußball verhaftet war, neben dem Turnverein Sauerlandia gegründet. Mit der Jahreszahl „20“ erinnerte der Sportverein Wacker 20 an die Fußballspiele, die ab 1920 in Sundern stattfanden.
 
Seine Spiele führte der Sportverein Wacker 20 zunächst auf dem Schützenplatz aus, der über keinen Rasenbelag verfügte und zugleich als Kirmes- und Festplatz diente. Doch schon 1929 konnte der Sportverein Wacker 20 auf den an der Linnepe geschaffenen Sportplatz wechseln.
 
Am 25.09.1937 beschlossen die Mitglieder des Turnvereins Sauerlandia in einem einstimmigen Votum den Zusammenschluss mit dem Sportverein Wacker 20. Die Grundlage der Entstehung der Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern hielten sie in dem nachstehenden Auszug aus dem Protokoll fest:
 
Der Vorstand begrüßt den Zusammenschluß der beiden Vereine unter nachstehenden Vorschlägen:
 
1. Die Vereinsbezeichnung der beiden Vereine aufzugeben und dem neuen Verein die Bezeichnung „Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern“ zu geben.
 
2. Die Fahne des Turnvereins „Sauerlandia 1886“ als Traditionsfahne zu übernehmen.
 

 
8. Die Geräte beider Vereine gehen in den Besitz des neuen Vereins über.
 
Die innerhalb der Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern errichteten Abteilungen Turnen und Fußball arbeiteten zwar von Anfang an in Harmonie zusammen. Doch musste die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern ihren Sportbetrieb schon wenige Monate nach dem Zusammenschluss einstellen. Zunächst wurde 1938 die Schützenhalle, in der die Turner ihre Übungen abhielten, zur Einlagerung von Korn beschlagnahmt, ohne dass sich eine neue Unterkunft für die Turner finden ließ. Sodann unterband der 1939 ausgebrochene 2. Weltkrieg auch alle weiteren sportlichen Betätigungen, insbesondere auch der Fußballer. Erst nach dem 1945 beendeten 2. Weltkrieges, der in Deutschland einen totalen Zusammenbruch verursacht hatte, nahm die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern ab 1946 ihren Sportbetrieb langsam wieder auf – allerdings fehlten ihr sowohl ein Sportplatz als auch eine Turnhalle.
 
Ab 1947 versuchte die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern für die Fußballer die Errichtung eines Sportplatzes voranzutreiben, der auf der alten Vogelwiese am Bruch entstehen sollte. Zwar sahen die Gemeinde Sundern und das Amt Sundern in der Umsetzung des Bauprojektes nahezu unüberwindliche Schwierigkeiten: Verlegung des Flussbetts der Röhr, Errichtung einer zweihundert Meter langen und drei Meter hohen Ufermauer entlang des neuen Flussbetts, Verlegung von zwei Wehren und zwei Fabrikwassergräben, Errichtung eines neuen großen Wehres, Entwässerung des Sumpfgeländes und Kompensierung von zweitausend Sack Zement und zweitausend Tonnen Rheinkies. Doch konnte die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern am 26.05.1947 sowohl den Gemeindebürgermeister Johannes Schulte als auch den Amtsbürgermeister Josef Bußmann für die Errichtung eines Sportplatzes auf der alten Vogelwiese am Bruch gewinnen. Gerade die Entwässerung und die Packlage des Sportplatzes stellten die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern vor erschütternde Situationen; so wurden der am 13.09.1906 geborene Fußballer Karl Gerke und der am 29.05.1917 geborene Fußballer Paul Wälter am 05.03.1948 bei Steinbrucharbeiten für die Packlage durch herabstürzende Gesteinsmassen tödlich verletzt. Nachdem der Sportplatz unter dem Namen Röhrtalkampfbahn am 03.09.1950 eingeweiht worden war, war für die Fußballer wieder eine Sportstätte vorhanden. Seit ihrer Errichtung folgte die Röhrtalkampfbahn stets den zeitgemäßen Entwicklungen des Fußballsports, um für die Fußballer der Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern immer die besten Bedingungen zur Ausübung ihres Sports bereitzuhalten. Auf dem Gelände der Röhrtalkampfbahn wurde 1992 nicht nur ein Vereinsheim als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern errichtet. Vielmehr wurde 1992 die Oberfläche des Sportplatzes auch mit einem Kunstrasen versehen, der 2006 erneuert wurde.
 
Nach dem 2. Weltkrieg konnten auch die Turner ihre Übungen nicht sofort wieder in der Schützenhalle aufnehmen. Sie war nicht nur durch Kriegseinwirkungen erheblich beschädigt worden, sondern wurde nach notdürftigen Reparaturen auch zunächst für mehrere Jahre zum Betrieb einer Lampenfabrik genutzt. Erst nachdem die Schützenhalle am 30.01.1950 zunächst durch Feuer vollständig zerstört und daraufhin im selben Jahr wieder aufgebaut worden war, konnten die Turner ab 1950 mit ihren Übungen wieder in die Schützenhalle einziehen. Nachdem die Gemeinde Sundern auf den 1954 gefassten Beschluss in unmittelbarer Nähe zur Röhrtalkampfbahn am 13.10.1957 eine Turnhalle eingeweiht hatte, verlegten die Turner ihren Übungsbetrieb in diese Turnhalle. Zwar wurde die Turnhalle zu ihrer Zeit als die modernste und schönste Sporthalle des Sauerlandes bezeichnet, doch war sie in die Jahre gekommen, sodass sie 2006 abgerissen wurde.
 
Ihr Sportangebot weitete die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern stetig aus. Sie beschränkte sich nicht auf die Angebote des Turnens und des Fußballs, vielmehr griff sie immer wieder zeitgemäße Entwicklungen des Sports auf, indem sie in den vorhandenen Abteilungen auch weitere Sportarten betrieb. So verfügt die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern derzeitig über sieben Abteilungen: Turnen, Fußball, Leichtathletik, Tischtennis, Schwimmen, Volleyball und Judo.
 
Die Leichtathleten waren zunächst in der Abteilung Turnen organisiert. Am 01.10.1955 beschloss die Mitgliederversammlung der Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern die Gründung der Abteilung Leichtathletik.
 
Am 01.08.1959 beschloss die Mitgliederversammlung der Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern die Errichtung der Abteilung Tischtennis. Auf Grund des regen Lebens in der Abteilung Tischtennis wurde die Teilnahme an Turnier- und Meisterschaftsspielen bereits am 19.02.1960 durch den Beitritt zum Westdeutschen Tischtennis-Verband vorbereitet.
 
Die Mitgliederversammlung der Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern beschloss am 14.08.1971 die Gründung der Abteilung Schwimmen. Während die Trainingsstunden zunächst im Lehrschwimmbecken „Johannesstraße“ stattfanden, werden sie seit 1975 im Hallenbad „Berliner Straße“, dem seinerzeit modernsten Hallenbad des Sauerlandes, ausgerichtet.
 
Die Abteilung Volleyball ging aus dem 1972 gegründeten Volleyballclub Sorpesee hervor, der bereits in seiner ersten Mitgliederversammlung am 07.06.1974 den Antrag auf Beitritt zur Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern beschloss. Nachdem die Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern in der Mitgliederversammlung vom 06.12.1974 dem Anliegen entsprochen hatte, fasste der Volleyballclub Sorpesee in seiner Mitgliederversammlung vom 10.07.1975 den endgültigen Beschluss zum Beitritt.
 
Die Abteilung Judo gründete die Mitgliederversammlung der Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern mit Wirkung ab dem 01.07.1996.

 

 

 
 
 
mehr...

 
 
 
       

Turn- und Sportgemeinde 1886 Sundern e.V.  ·  59846 Sundern
©2011 TUS Sundern. Alle Rechte, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.
Webdesign: www.stefan-nolte.de