Pressebericht der WAZ am 20.07.2012

Sundern.  Claudia Grote aus Sundern schnitzt mit Motorsägen aus mächtigen Eichenstämmen Kunstwerke – an diesem Wochenende ist sie in Hemer beim Landwirtschaftswochenende zu Gast
Claudia Grote ist eine Frau, die richtig Holz vor der Hütte hat. Also, das ist jetzt nicht anzüglich gemeint, nein, es stimmt: Jede Menge Eichenholz liegt dort vor dem Wohnhaus der Sauerländerin, meterlange, dicke Stämme. Daraus sägt sie kleine und große Kunstwerke. Claudia Grote ist eine der wenigen Frauen, die mit der Kettensäge umgehen kann wie andere mit feinem Pinsel.

Geruch von frischem Holz liegt in der Luft, in hohem Bogen sprühen Späne umher, während Claudia Grote das lange Blatt ihrer Motorsäge in dem Eichenstamm versenkt. Mit sicheren Schnitten gibt sie dem Holz die erste grobe Struktur. Schneidet senkrecht eine Scheibe vom Holz ab, trennt schräg ein weiteres Stück aus dem Stamm heraus, schaut, geht um ihn herum und findet den Ansatz für den nächsten Sägeschnitt. „Das wird ein Adler“, erklärt sie, und mit etwas Fantasie ist tatsächlich schon nach dieser ersten Behandlung des Stammes so etwas wie eine Figur zu erkennen.

Doch das ist nur der Anfang, nur die Vorbereitung. Zwei Tage lang arbeitet sie an dem Eichenholz, bis daraus eine Skulptur wird, die wirklich fantastisch aussieht. Wie an diesem Wochenende auf dem Landwirtschaftswochenende im Sauerlandpark in Hemer. Besucher können ihr dort bei der Arbeit zuschauen und staunen, wie sie so geschickt mit einem doch eher grobschlächtig wirkenden Arbeitsgerät umgehen kann. Und dass eine Frau die Motorsäge führt – das ist tatsächlich ungewöhnlich.

Bärenrunde von Motorsägenünstlerin Claudia Grote
40 Jahre war Claudia Grote, als ihr Mann Klaus-Peter ihr einen Herzenswunsch erfüllte: ein kreativer Kettensägenkurs. Und dann, ein paar Monate später, lag unterm Weihnachtsbaum die erste eigene, gebrauchte Motorsäge. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem Claudia Grote nicht mit geübtem Zug den Zweitaktmotor von einer ihrer mittlerweile neun Motorsägen anwirft.

Dabei sah ihr beruflicher Werdegang zunächst gar nicht danach aus, dass sie mal in einer Männerdomäne eine anerkannte Schnitzerin werden würde. Einer Ausbildung als Verkäuferin folgte eine Umschulung beim Industrieunternehmen Kostal zur Maschineneinrichter. „Am liebsten hätte ich noch Schlosser gelernt“, sagt sie heute. Aber bald kamen ihre Kinder zur Welt, Claudia Grote blieb zu Hause und arbeitete in verschiedenen Aushilfsjobs. Wie zum Beispiel als Weihnachtsbaumverkäuferin. Um diese selbst schneiden zu können, belegte sie einen Motorsägenkurs beim Forstamt Meschede.
Und als sie wenig später in der Zeitung ein Foto von Shapoor Engineer sah, dem Forstarbeiter aus Arnsberg, Vorreiter und „Großmeister“ auf dem Gebiet der Motorsägenkunst, da machte es „Klick“ bei ihr.
Eule von Motorsägenkünstlerin Claudia Grote
Das war vor fünf Jahren, und seit dem Anfängerkurs bei Crazy George, dem Säger aus dem Siegerland, wo eine erste Bärenskulptur entstand, sind schon unzählige Bäume unter Claudia Grotes Kettensäge zu Kunst verwandelt worden. Allerdings: „Über mein erstes Eichhörnchen konnten meine Kinder nur lachen – das hatte Hasenohren!“, erinnert sie sich, wie schwierig es zunächst war, die richtigen Körperdimensionen zu erfassen und umzusetzen. „Die Schleich-Spieltiere der Kinder habe ich mir dann als Vorlagen genommen“, sagt Claudia Grote.

Mittlerweile hat sie es im Gefühl, wie Hasen, Wildschweine, Bären und Adler zu sägen sind. Außergewöhnlich und aufwendiger wird es bei Sonderanfertigungen: So sägte sie kürzlich große Backenzähne, die jetzt auf der Terrasse eines Zahnarztes als Biertische dienen, einen Trecker und zuletzt eine Motorradbank: Ein Harley-Davidson-Fahrer hatte die bei ihr in Auftrag gegeben.

Aus dem Hobby ist zwischenzeitlich ein Zubrot geworden, Claudia Grote hat dafür ein Gewerbe angemeldet. Sie zeigt ihre Kunst auf Bauernmärkten der Region, nahm in diesem Jahr auch schon bei der Europameisterschaft der Motorsägenkünstler teil – als eine von europaweit nur drei Frauen. Kaum ein Kunststück, das sie angefertigt hat, bleibt lange im großen Garten vor dem ehemaligen Forsthaus am Ortsrand von Sundern-Hagen stehen.

Dort liegen nur die Rohlinge in Form mächtiger Stämme – und jede Menge Holzscheite. Die sind das Produkt von Claudia Grotes Ehemann. Alle Reste, die seine Frau von den Stämmen gesägt hat, darf er zu Brennholz für den Ofen klein hacken. Das ist dann immer noch Männersache.

Heinz Krischer

Pressebericht der WAZ am 20.07.2012

 








  Claudia Grote  ·  Forsthaus  ·  Zur Waldeshöhe 7  ·  59846 Sundern
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